150 Jahre SPD: Rückblick auf die Wiedergründung in Lauda nach dem Zweiten Weltkrieg

Veröffentlicht am 20.08.2013 in Ortsverein

Hermann Stephan, Bürgermeister von 1945 - 1963

Von Siegfried Neumann

Das Jahr 2013 ist für viele Vereine der Stadt ein Jubiläumsjahr. Der FV Lauda, der Heimat- und Kulturverein Lauda und der TV Sachsenflur feiern ihr 100-jähriges Bestehen und der Gesangverein Frohsinn Lauda sogar seinen 150. Geburtstag. Auch der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein wurde vor 150 Jahren in Leipzig von Ferdinand Lassalle begründet. Er gilt nach Lesart der deutschen Sozialdemokraten als die Urzelle der SPD.

Ziel war es nach dem allgemeinen Parteienverbot als Folge der gescheiterten Revolution von 1848, die im Zuge der Industriellen Revolution immer selbstbewusster werdenden Facharbeiter vor allem in den Großstädten über gesellschaftliche und politische Fragen zu informieren und auszubilden.

Für die SPD bietet das 150-jährige Bestehen, das am Wochenende in Berlin groß gefeiert wurde, die große Chance, die historische Dimension sozialdemokratischer Politik sowohl generationenübergreifend, als auch auf den unterschiedlichen Politikebenen wie Bundes-, Landes- und Kommunaler Ebene kritisch konstruktiv zu reflektieren. Insofern war es folgerichtig die unterschiedlichsten Parteigliederungen zu ermutigen, aktuelle Politikfragen im "Medium der Geschichte zu spiegeln" , denn ohne Frage kann aus der Beschäftigung mit der Geschichte Zuversicht erwachsen - auch weil man lernt, wie Niederlagen, aber auch falsche politische Entscheidungen weggesteckt, korrigiert und überwunden werden können.

Vor diesem Hintergrund machte sich auch SPD-Stadt- und Kreisrat Siegfried Neumann auf die Spurensuche, um am Beispiel des SPD-Ortsvereins Lauda zu zeigen, mit welchen schwierigen lokalen historischen Gegebenheiten, die Sozialdemokraten im ländlichen Raum nach dem Untergang der Nazi-Diktatur zu kämpfen hatten.

Auf Grund umfangreicher Protokolle, sowie Aussagen von Zeitgenossen und Presseveröffentlichungen lässt sich die Aufbauphase des Ortsvereins für den Zeitraum von 1945 bis 1960 parteiengeschichtlich sehr gut nachzeichnen.

Durch den Erlass der Besatzungsmacht USA, in Deutschland die Demokratie den Deutschen nicht von oben aufzuoktroyieren, sondern sie im Sinne einer " Graswurzeldemokratie" von unten in den Kommunen stetig aufzubauen, wurden sehr schnell Kommunalwahlen angestrebt. Die Festsetzung des ersten Gemeinderatswahltermins nach dem Zweiten Weltkrieg auf den 27. Januar 1946 war vermutlich die Triebfeder für die Laudaer Genossen, dass man sich bereits zwei Monate nach der ersten Gesamtkonferenz der deutschen Sozialdemokraten in Hannover nämlich am 6. Dezember 1945 im Arbeitsraum der Zigarrenfabrik Stephan traf, um in einer öffentlichen Gründungsversammlung den SPD-Ortsverein Lauda erneut zu gründen.

Die Erstgründung erfolgte zu Beginn der Weimarer Republik im Jahre 1919.

Anwesend waren die Genossen Karl Freidhof, Eduard Hammerschmidt, Carl Hohl, Karl Manuwald, Karl Polian, Ludwig Spiegel, Herbert Stapf und Hermann Stephan sowie der Parteisekretär Fritz Doekbryder aus Wertheim

Eduard Hammerschmitt wurde zum Vorsitzenden gewählt, Herbert Stapf wurde erster Beisitzer, Karl Polian Schriftführer und Karl Freidhof aus Gerlachsheim Kassierer. Die Gründungseuphorie war jedoch sehr schnell verflogen, denn knapp fünf Wochen später, am 12. Januar 1946, trat der Gesamtvorstand wegen Querelen bei der Listenaufstellung zur Gemeinderatswahl am 27. Januar 1946 geschlossen zurück. Im Zuge dieser Zerwürfnisse trat Hermann Stephan aus der Partei aus. Für die Partei war dies ein großer Verlust, für die Laudaer Kommunalpolitik blieb er jedoch erhalten.
Aber auch von außen gab es Druck auf den neugegründeten Ortsverein, so forderte die amerikanische Militärregierung den Rücktritt des Vorsitzenden Eduard Hammerschmitt, seines Stellvertreters Herbert Stapf und von Schriftführer Carl Hohl ohne Angaben von Gründen. So war es kein Wunder, dass das Gemeinderatswahlergebnis für die Sozialdemokraten verheerend ausfiel, die CDU erhielt sieben Sitze, für die SPD errang nur Karl Manuwald einen Sitz. Bei der Wahl am 7. Dezember 1947 bekam Josef Marquard ein weiteres Mandat für die SPD-Liste.

Hermann Stephan, nach seinem Austritt aus der SPD nun parteilos, blieb der Laudaer Kommunalpolitik erhalten und war von 1945 bis 1963 ein sehr erfolgreicher Bürgermeister. Er wird von Zeitgenossen als äußerst sozial engagiert, hilfsbereit und kommunalpolitisch kommunikativ geschildert. Mit einer starken Verwaltung, organisiert von Alois Mohr und unterstützt durch den Gemeinderat, ging es sehr schnell aufwärts in Lauda. Firmenansiedlungen wie Ruppel, Trafö, Schlünz & Eichholz, Hjordt, Kablitz, sowie die Firma Wobser (heute Lauda) und viele andere fielen ebenso in die Zeit wie die Ausweitung des Wohnangebots auf dem Ölberg, in der Gartenstraße und durch die Siedlung Fränkische Baugenossenschaft Neubau der Volks- und Mittelschule in der Altstadt.

Auch der SPD-Ortsverein wuchs stetig an und 15 Jahre nach Wiederbegründung wurde man mit 57 Mitglieder nach Wertheim die zweitstärkste Ortsgruppe im Kreis. Die Mitgliedschaft rekrutierte sich vorwiegend aus dem Umfeld der in Lauda wohnhaften Bahnbediensteten, die einheimischen Landwirte blieben auf Distanz.

Mit der Verabschiedung des Godesberger Programms im Jahre 1959 wurde jedoch die Voraussetzung dafür geschaffen, dass nach dem Auf- und Ausbau durch die langjährigen Vorsitzenden Eduard Hammerschmitt, Ludwig Spiegel und Franz Scharmann neue Mitglieder- und Wählerreservoire für die Partei erschlossen werden konnten. Karl Polian, Erhard Dinse, Seppl Lösch, Helmut Wilhelm, Erich Melchien und Günter Schifferdecker, um nur einige zu nennen, setzten die erfolgreiche Kommunalpolitik der frühen Nachkriegsjahre fort, die dann mit der Wahl des Sozialdemokraten Otto Boxberger im Jahre 1966 eine neue Ära einleitete.

Es ist das Ziel des SPD-Ortvereins Lauda und des Rechtsnachfolgers, der SPD Lauda-Königshofen, die Geschichte der Ortsgruppe als Teil der Heimat- und Kulturgeschichte sichtbar zu machen, um somit Hinweise und Erkenntnisse darüber zu gewinnen, unter welchen Bedingungen eine erfolgreiche Kommunalpolitik auch in Zukunft gelingen kann.

FN vom 20.08.2013

 

Aktuelles

MdB Dr. Dorothee Schlegel

Klicken Sie auf das Bild, um auf die Homepage zu gelangen. Zur FACEBOOK-Seite geht es HIER.

Wir haben Ideen – Sie auch?

Fruchtbare Kommunalpolitik lebt von engagiertem Handeln und guten Ideen.
Die haben Sie? Dann schreiben Sie uns!
Wir hören zu, wir greifen Ihre Anregungen gerne auf, wir setzen uns für Sie ein. Nur so profitiert unsere Stadt Lauda-Königshofen – und die liegt uns am Herzen!